Ich muss hier leider mitteilen, dass ich die Reise abbrechen musste. Obwohl ich ein paar Tage meinen Beinen eine Ruhepause gönnte, wollten sie danach nicht so, wie ich wollte. Die Knieschmerzen dauern immer noch an, obwohl ich bereits zurück in Deutschland bin. Treppensteigen ist weiterhin nur unter Schmerzen möglich. Aber nicht nur die gesundheitliche Lage zwingt mich vorerst zur Rückkehr in die Heimat. Ich habe ein paar schwere Fehler begangen, die ich hier nur kurz erläutern möchte.
1. Fitness. Ich war bei meinem Aufbruch so unfit, wie ich sehr lange Zeit nicht mehr war. Das hatte auch unterschiedliche Gründe. Ich bin im Februar umgezogen und war ab März nur noch mit dem Visum und der Beschaffung des Equipments beschäftigt. Klar, Zeit für die tägliche Stunde Fitness hat es immer gegeben. Aber die Motivation zum Sport war zu gering. Ein sehr großer Fehler.
2. Die Psyche. Ich war nicht wirklich mit dem Herzen bei der Sache. Das habe ich von Anfang an gemerkt. Es waren noch viel zu viele Gedanken, die mir durch den Kopf fuhren. Vielleicht am Tag vor Kokshetau, vielleicht war ich dann langsam so weit. Ich habe immer nur an Ziele gedacht, nie wirklich an den Weg. Ich war zu verkrampft, zu engstirnig darauf immer einen bestimmten Ort an zu steuern. Das hat gar nicht mit dem gepasst, warum ich losgezogen war. Ich wollte diese Reise machen um mal abzuschalten, runter zu kommen, eins zu werden mit der Natur. Später ging es dann nur noch um die SIM- Karte, das Hotel und das Frühstück. Ich war einfach noch nicht bereit, konnte mich von den vielen Gedanken an Komfort nicht lösen.
3. Das Equipment. Ich hätte mich für einen Weg komplett entscheiden müssen: entweder Survival oder Hotel. Ich brauche mir keine App runterladen, die mir erklärt, welche Art.von Löwenzahn man wie zubereitet, wenn ich mir an der nächsten Tankstelle eine Packung Kekse kaufe. Ich brauche auch keine 4 verschiedenen Messer, wenn ich eh nichts jagen oder erlegen gehe. Ich brauche auch kein 4kg-Seil oder eine Tasche mit 5kg Arznei. Das viele Gepäck war nicht nur unnütz schwer, sondern auch einfach fehl am Platz.
Ich werde zurück kehren nach Kasachstan. Aller Wahrscheinlichkeit sogar schon im Juli. Das Land hat nicht nur eine wunderschöne Landschaft sondern besticht auch durch eine über aus großzügige Gastfreundschaft. Außerdem gebe ich nicht gern auf. Beim nächsten Mal also halbes Gepäck, halbe Geschwindigkeit und doppeltes Vergnügen. Ich überlege auch ein Fahrrad vor Ort zu mieten, um zum einen Geld beim Flug Transport zu sparen und zum anderen um zu vermeiden, dass mein Rocinante noch einmal so stark beschädigt wird.
Liebe Leser, vielen Dank für das Interesse und die vielen Tipps und Ratschläge, die bei mir eingegangen sind. Ab Juli wird es hier weitergehen. Wenn es einen fixen Termin gibt, wird das hier als erstes stehen. Um es mit Freddy Mercury’s Worten zu sagen „Show must go on!“
Als Dankeschön hier nun noch ein kleines Video meiner Tour.
Erstmal gute Besserung, ich hoffe du startest das Projekt nochmal, hab jedentag geguckt ob was neues drin steht, echt genial was du dir da ausgedacht hast. Grüße der Cousin von Nocke
uri, jetzt mal bloeder kommentar, aber angebracht: nur nix ueber’s knie brechen! du weisst ja jetzt immerhin, dass das ein spannendes, freundliches land ist, dann jetzt erstmal die knie in ordnung bringen und dann auf auf und forza! aber mit den muecken musst du dir im juli dann echt was ueberlegen 😉 schoene gruesse von einer, die die qualen des reisens gut versteht und schaetzt!